22. September 2020

Silhouette – Passion for Excellence

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Silhouette – Passion for Excellence

Ein mittäglicher Anruf,  fünf Töne und die Macht der Symmetrie.

Irgendwann im Herbst 2013 erhielt ich überraschend einen Anruf des damaligen Vizerektors der Bruckner Universität Linz, Uni. Prof. Josef Eidenberger. Noch überraschender war sein Anliegen. Ich sollte für einen der exklusivsten Brillen-Hersteller, die Firma Silhouette, eine Komposition für Streichorchester schreiben. Das Ganze sollte dann auch noch auf CD gepresst werden und das gleich 15.000 mal… Ähh! Ah, ja da wär dann noch der große Event mit Tanzperformance für alle Mitarbeiter im Design Center Linz und für die internationalen Geschäftspartner im neuen Musik Theater Linz. Weniger überraschend war für mich die zeitliche Komponente, wie immer wäre es gut, wenn Aufführungskonzept und Komposition schon seit vor 2 Wochen vorliegen würde und vielleicht auch schon von der Geschäftsleitung abgesegnet wäre. Im Klartext hat das bedeutet, bis Mai 2014 sollte alles, ein 20 Minuten dauerndes Konzertstück für Orchester, dazugehöriges Bühnenkonzept einschließlich Tanzperformance und nicht zu vergessen schließlich auch noch eine CD fertig sein! Ein Klax…

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Passion for Excellence:

Passion for Excellence (LOUNGE):

Auf meine Frage, warum nur knapp 5 Monate Zeit für ein solches, doch sehr umfangreiches Projekt vorgesehen sind, bekam ich eine nicht sehr aufmunternde und auch wenig schmeichelhafte Erklärung. Es war bereits ein anderer Komponist vorgesehen gewesen, dieser hat aber nicht den Vorstellungen der Firma entsprochen. Natürlich habe ich mir die übliche Bedenkzeit gegönnt und nach einer geschlagenen halben Sekunde zugesagt. Zwei Wochen später habe ich ein Konzept vorgelegt, das auf der Zahl 5 basiert. Mein Konzept wurde angenommen und ich habe zu schreiben begonnen.

Wen es genauer interessiert, was ich geschrieben habe und warum, der kann die detaillierte Stückbeschreibung lesen und sich die Partitur ansehen (siehe unten).

Hier nur kurz….

Eine Brille ist grundsätzlich symmetrisch und besteht aus 5 Teilen.

  • linker Bügel
  • linkes Glas
  • Brücke
  • rechtes Glas
  • rechter Bügel

Das ergibt 5 Teile des Stückes mit 5 Motiven, bestehend aus 5 symmetrisch angeordneten Noten. Das ganze aufgeführt von 50 Musikern und Musikerinnen der Bruckneruniversität Linz zum 50 jährigen Firmenjubiläum von Silhouette.

Mit Unterstützung von Vizerektor Uni. Prof. Josef Eidenberger, der Regie von Dr. Gerhard Pirner, der hervorragenden Arbeit des Dirigenten Alexander Quasniczka, sowie der Choreografin Rose Breuss und natürlich dem wunderbaren Spiel des Orchesters der Bruckneruniversität gelang eine grandiose Produktion (siehe Video).

Bei der Uraufführung gab es Standing Ovations von allen Mitarbeiten, dem gesamten Vorstand und der Gründerfamilie. Das Stück wurde noch in Japan (vor der japanischen Prinzessin) und in London aufgeführt (siehe Zeitungsbericht). Aus den musikalischen Motiven und Melodien habe ich noch Klingeltöne für die Firmenhandys, Musik für die Telefonwarteschleife und Lounge Musik für Firmenevents bzw. Messen produziert. Eine Version für Streichquartett wurde bei der Firmenweihnachtsfeier gespielt… Und alle 15.000 CD’s waren in kürzester Zeit in alle Winde zerstreut und in alle Welt verteilt!

In einem konkreten Fall weiß ich, dass eine “Passion for Excellence“-CD den ganzen Sommer 2014 über im  Autoradio in der Dauerschleife lief… was für ein Erfolg!

P.S.: Eines der Testimonials von Silhouette ist „Patrick Dempsey“. Ich wollte ihn unbedingt treffen und vielleicht ein bisschen mit ihm über Autos plaudern (er ist schließlich auch Rennfahrer). Das ist leider nicht passiert… Ein sehr, sehr kleiner Wermutstropfen.


Nachstehend die gesamten Aufnahme der Uraufführung:

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DIE 5 TEILE DER SYMPHONIE

Inspiration

Dieser erste Teil symbolisiert das Aufleuchten einer Idee. Die Erweiterung der Wahrnehmung, das Beobachten, Durchschauen, Erkennen und Fokussieren.
Fünf einzelne Töne, ohne harmonischen Hintergrund auf dem Klavier gespielt und fünfmal wiederholt, leiten das Musikstück ein. Die daraus entstandene Melodie wird weiterentwickelt bis sie vom Orchester dargestellt erklingt und das Klavier leicht und schnell darüber hinwegfliegt.

Transformation

Bisher verborgene Dinge werden plötzlich sichtbar und erhalten einen tieferen Sinn. Erste schemenhafte Darstellungen entstehen und müssen sich beweisen.

Ein an lateinamerikanische Musik erinnernder, sehr optimistischer und unbeschwerter Teil beginnt. Trotz der Rhythmik besticht dieser Teil der Symphonie mit einem Wechselspiel der Tonarten und unterstreicht die unterschiedlichsten emotionalen Facetten der Transformation.

Leidenschaft

Auf das Wesentliche reduzieren, richtige Schlüsse ziehen und viel Mut um den ersten Schritt zu tun. Der dritte Teil verkörpert die ganz persönliche Interpretation von Freiheit im Schaffensprozess.

Musikalisch wird eine coole, klassische Ballade, wieder ausgehend vom Klavier zu einem großen orchestralen Höhepunkt geführt. In vielen Details wird spürbar, wie die Töne ineinander greifen und alles darauf wartet loszustürmen.

Perfektion

Mit viel Intuition und dem höchsten Anspruch an Exzellenz entsteht die kompromisslose Kombination aus Innovation und Handarbeit. Das perfekte Zusammenspiel aller „Zahnräder“ macht das Unmögliche möglich.

Die pulsierende Rhythmik des Stücks lässt den Start einer Maschinerie spürbar werden. Schlag um Schlag entsteht, dargestellt durch Perkussionsinstrumente, ein Meisterwerk bei dem viele, verkörpert durch das gesamte Orchester, an einem Strang ziehen.

Zukunftsstreben

Einen Schritt voraus zu sein bedeutet, Vergangenes reflektieren und offen nach Individualität als zentrales Element zu streben.
Zu Sehen bedeutet Wissen, schnell Sehen bedeutet Vorsprung, schnell scharf Sehen bedeutet Erfolg.

Der abschließende Teil der Symphonie ist eine Reprise des ersten Teils mit weiterentwickelten Harmonien, fast solistisch vom Klavier gespielt. Das Orchester fällt ein und hebt das Stück um einen Halbton nach oben, noch einmal bringen alle das Stück zum Leuchten.

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About the Author

1962 in Gmunden geboren, maturierte an der HTL für chemische Betriebstechnik in Wels | Studium (Jazzposaune) am Brucknerkonservatorium in Linz | Anton Bruckner Privatuniversität - Studium für Klassische Komposition (Master of Arts) - Musiktheorie (Bachelor of Arts) | Jazz-Posaunist und Bandleader | internationale Konzerte und Jazz-Festivals ua. in Russland, Italien, Ungarn, Belgien und Deutschland | Produktion international erfolgreichen Tonträgern mit verschiedenen Formationen im Bereich Blues, Jazz, Rock und Popularmusik, beteiligt. | Komponist in der Film- und Fernsehmusik.

Hermann Miesbauer

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